Das Erdbeben vom 25. April 2015

Am 25. April 2015 – wir kamen gerade von einem Trek in der Langtang Region zurück – wurde Nepal von einem Erdbeben der Stärk 7,8 getroffen, das über 8000 Menschen das Leben gekostet, und geschätzten 2.500.000 Menschen das Obdach genommen hat. Von einem Tag auf den anderen befanden wir uns in einer Krisenregion, und während uns das verheerende Ausmaß des Bebens jede Stunde und jeden Tag mehr bewusst wurde, wuchs auch unsere Dankbarkeit, für unser eigenes Überleben und all derer, die uns nahe standen. Und diese Dankbarkeit konnten wir nur in Einem ausdrücken: In der Unterstützung derer, die vor dem Nichts standen, die alles verloren hatten. Wir wandten uns mit einem Aufruf an unsere Familie und Freunde in Frankreich, Deutschland, England und bis nach Neuseeland und erhielten Unterstützung in finanzieller und emotionaler Hinsicht, die uns tief berührt hat, und die uns Flügel verliehen hat. Den ersten Monat nach dem großen Beben konnten wir verschiedenste Hilfsaktionen starten und in die Tat umsetzen:

Destruction in Kathmandu_1

Destruction in Goldhunga_1

Das erste Handeln nach dem Beben

Erste Notfallhilfe

Medizinische Hilfe

Es hat nicht lange gedauert, bis wir verletzte Personen kennengelernt haben. Zwar war die Behandlung im Krankenhaus für Erdbebenopfer kostenlos, leider jedoch nicht die notwendigen Medikamente sowie der Transport. Wir konnten die medizinische Versorgung und Behandlung von vier Erdbebenopfern, darunter einem Kind, langfristig sicherstellen.

Verteilung von Essens- und Hygienepaketen

Bald schon haben wir den Bedarf an absoluten Notwendigkeiten erkannt. Goldhunga, das Dorf nahe Kathmandu, in das wir nach dem Beben zogen, war schwer vom Erdbeben betroffen. Ein Großteil seiner Bewohner hat seine Häuser, teilweise seine Familienmitglieder, sein Hab und Gut, seine Farmtiere und Existenzgrundlage verloren. Ohne Zugang zu Transportmitteln oder Benzin war ihnen auch der Zugang zu Nahrungsmitteln und Hygieneprodukten verwehrt. Dank der großzügigen Spenden die wir erhalten haben, konnten wir über 100 Notfallpakete zusammenstellen und verteilen. Ein Paket bestehend aus 30kg Reis, Linsen, Salz, Öl, Gemüse, Wasserreinigungstabletten und Hygieneprodukten stellt die Versorgung von etwa 10 Personen für etwa 15 Tage sicher. Neben den Bewohnern von Goldhunga haben wir auch zwei Ladungen in die weiter entfernten Dörfer ‚Kakani‘ und in die Berge um ‚Lalitpur‘ bringen können, die bisher noch keine Hilfe erhalten hatten.

Relief parcels_1

Distribution Relief parcels_1

Zelte

Die Versorgung mit Notfallzelten nach dem Beben war schwach – der vorhandene Vorrat schnell ausgeschöpft. Neben der Ausgabe von Plastikzelten direkt nach dem Beben haben wir später den Notstand mit dem Kauf von sogenannten wasserdichtem Stoff gelöst. Wir konnten zwei Näherinnen für zwei Tage lang Arbeit anbieten, die den meterlangen Stoff in über 40 Zelte verwandelt haben.

Construction of shelters_1

Aktionen mit dem Ziel von langfristigerer Hilfe

Verteilung von 90 Werkzeugboxen

Zwei Wochen nach dem Beben haben wir mit der französisch-nepalesischen Organisation ‘Smile’ langfristigere Lösungen für den Notstand der unzähligen Familien gesucht. Während beschädigte Häuser eine beständige Gefahr wegen des hohen Einsturzrisikos darstellten, haben die Plastikzelte bald angefangen, erste Löcher zu bekommen. Stabilere Lösungen wie der Bau von Bambusunterkünften oder Sandsackunterkünften waren nur wenig zu sehen. Unser Wunsch war es, Familien sowohl zu ermöglichen, ihre alten Häuser abzureißen und eventuell Güter zu bergen, als es ihnen auch zu ermöglichen, stabilere Unterkünfte zu bauen. Zusammen mit ‚Smile‘ konnten wir 90 Werkzeugboxen an 90 Dörfer in den Bergen verteilen. Die Boxen bestanden aus 50kg Nägeln, Helmen, Hammern, Sägen, Eisensäge, Maßband, Zangen, Handschuhen, Spaten, und mehr. Mit jedem Dorf wurde ein Vertrag abgeschlossen, der es jedem Bewohner erlaubte, die Box und seinen Inhalt zu jeder Zeit zum Zwecke des Abreißens unsicherer, beschädigter Häuser, oder zum Bau stabilerer Unterkünfte zu verwenden.

Boxes d'outils_1

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Verteilung von Schulmaterial

Die staatliche Schule von Goldhunga, die teilweise vom Beben zerstört wurde, zählt eine große Zahl von Schülern, die direkt von dem Beben betroffen waren. Mit dem Verlust ihres Hauses verloren sie auch ihre Schulmaterialien. Die Schulen schlossen für einen Monat und ließen die Kinder in ihren Ruinen zurück, ohne Aktivität. Für uns war es wichtig, dass die zusätzliche Armut, die diese Familien getroffen hat, nicht zum Ausschluss der Kinder von der Schule führt und dass ein jedes Kind in die Schule zurückkehren kann und sein Recht auf Zugang zu Bildung behält. Wir konnten Schulmaterial für 540 Kinder dieser Schule finanzieren.

Materiel scolaire

Der Erwerb von Kühen

Zahlreich sind die Familien in Nepal, die von ihrem Garten, ihrer Kuh, ein paar Ziegen und Hühnern leben. Wer bei dem Erdbeben seine Farmtiere verloren hat, verlor gleichzeitig seine Arbeit und sein Einkommen – keine Kuh mehr bedeutet keine Milch mehr – und folglich kein Verkauf besagter. Mit einer Milchkuh, die 10-15 Liter pro Tag gibt, kann eine nepalesische Familie sich mehr oder weniger über Wasser halten. So entschlossen wir uns, 4 Familien ihre wichtigste Existenz- und Arbeitsgrundlage zurückzugeben: Eine Milchkuh. Mit jeder dieser Familien haben wir einen Vertrag abgeschlossen, der ihnen das Recht gibt, die Milch der Kuh gegen ihre respektvolle Versorgung zu verkaufen und frei zu benutzen. Während der ersten Monate kontrollierten wir den Wohlbehalt der Kühe, zwischenzeitlich sind diese sie alle komplett in die Hände ihrer neuen Halter übergeben worden.

Vaches